150 Jahre Rüsselsheimer Volksbank

Die Liste der Männer, die vor 150 Jahren den Grundstein für die heutige Rüsselsheimer Volksbank legten, liest sich wie ein „Who is Who“ der Stadt: 47 Männer aus den gehobenen Kreisen Rüsselsheim taten sich 1863 zusammen, um gemeinsam aktiv zu werden gegen die damals weit verbreitete Wucherei: In Zeiten zunehmender Industrialisierung hatten es kleine Handwerker zusehends schwerer, an Geld für notwendige Investitionen zu kommen. Genau das aber war das Ziel der Gründerväter der Volksbank in Rüsselsheim: Handwerkern und anderen kleinen Betrieben zu zinsgünstigen Darlehen zu verhelfen, damit diese auch weiterhin bestehen konnten.

Sie folgten dabei dem Genossenschaftsprinzip, das um 1850 Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch markant zusammenfassten: „Mehrere kleine Kräfte vereint bilden eine große Gemeinschaft, und was man nicht allein durchsetzen kann, dazu soll man sich mit anderen verbinden.“ Ein gemeinsames Ziel verfolgen, gemeinsam etwas gestalten: Das war auch für die Gründer der Volksbank Rüsselsheim der Grundgedanke. Dabei schufen sie demokratische Strukturen, lange bevor Deutschland politisch zu einer Demokratie wurde.

Heute könnte das Prinzip der Eigenverantwortung, aber auch der Mitbestimmung kaum aktueller sein: Genossenschaftsbanken wie die Rüsselsheimer Volksbank bieten ihren Mitgliedern nicht nur die Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Geschicke der Bank. Sie sorgen durch ihre regionale Verwurzelung auch dafür, dass solide und nachhaltig gewirtschaftet wird – getreu dem Motto: „Aus der Region, für die Region.“

Zu Recht ist man seitens der Rüsselsheimer Volksbank stolz auf die zurückliegenden 150 Jahre Unternehmensgeschichte, und das wurde auch bei der Jubiläumsfeier im Theater Rüsselsheim deutlich. Doch auch ein gewisser Ärger schwang mit in der Festrede von Klaus Weber, der 17 Jahre lang Vorstand der Bank war: Weber prangerte die Maßlosigkeit der Großbanken an, die unter anderem durch verantwortungslose Börsenspekulationen maßgebliche Schuld an den Banken- und Finanzkrisen der vergangenen Jahre trügen – und zum Teil teuer mit Steuergeld gerettet werden mussten. Das auf Verantwortung und Langfristigkeit basierende Handeln der Genossenschaftsbanken stelle dazu einen deutlichen Kontrast dar: Keine Genossenschaftsbank habe finanzielle Hilfe durch den Staat gebraucht. Etwas ganz Entscheidendes macht den Unterschied zwischen Groß- und Genossenschaftsbanken: Bei letzteren stehen die Vorstände persönlich gerade für Misswirtschaft und finanzielle Verluste; sie können persönlich haftbar gemacht werden.

Gewinne zu privatisieren, Verluste aber an die Gesellschaft weiterzugeben: Diesen Vorwurf machte Weber in seiner Rede darum denn auch den Großbanken.

Impression Jubiläumsfeier

01. Juni 2013